Paterson

(USA 2016, Regie: Jim Jarmusch)

80er-Poesie
von Ulrich Kriest

Ist es ein untrügliches Zeichen dafür, dass man beginnt, alt zu werden, wenn man sich für einen Film von Jim Jarmusch erwärmen kann? War es nicht eher die furchtbare Erfahrung, …

Der Bunker

(D 2015, Regie: Nikias Chryssos)

Im schwarzen Loch der Erziehung
von Wolfgang Nierlin

Der titelgebende Bunker liegt irgendwo im tief verschneiten Wald unter der Erde. Abgeschieden von der Welt und dem, was man das normale Leben nennt, hat sich hier eine sehr merkwürdige …

Der Staat gegen Fritz Bauer

(D 2015, Regie: Lars Kraume)

Ein hessischer Held der Pflicht als Nazijäger und Bundes-Moses
von Drehli Robnik

Geheimtreffen, ominöse Wortwechsel, Drohgesten und Drohbriefe – ein Holocaust-Justizdrama als Politkrimi zu Einsätzen von Cool Jazz-Trompeten: So inszeniert Lars Kraume ('Die kommenden Tage', 2010) die Tätigkeit und die leidvollen Erfahrungen …

Der Staat gegen Fritz Bauer

(D 2015, Regie: Lars Kraume)

Die Socken sind kariert!
von Dietrich Kuhlbrodt

Fritz Bauer, der hessische Generalstaatsanwalt der fünfziger Jahre (Auschwitzprozess!), wird mainstreamtauglich. Regisseur Lars Kraume (KKD-Kriminaldauerdienst, ZDF, und Tatort, ARD) bringt uns Bauer als eine Art TV-Kommissar näher, der auch seine …

Der Staat gegen Fritz Bauer

(D 2015, Regie: Lars Kraume)

Ein großes thematisches Paket
von Manfred Riepe

Am Anfang von Giulio Ricciarellis Historiendrama „Im Labyrinth des Schweigens“ konfrontiert ein Journalist Zeitgenossen mit der Frage nach dem Vernichtungslager Auschwitz – und schaut nur in fragende Gesichter. Gut 50 …

Als wir träumten

(D 2015, Regie: Andreas Dresen)

Ekstasen der Jugend
von Wolfgang Nierlin

„Jeden Tag tanzen die Erinnerungen“, sagt der Ich-Erzähler aus dem Off des Films. Die Worte und Geschichten stammen aus Clemens Meyers Roman „Als wir träumten“, den Andreas Dresen zusammen mit …

Altman

(KAN 2014, Regie: Ron Mann)

Meister der Ambivalenz
von Ulrich Kriest

„Ich denke, es ist angemessen, seine Filme in einer Linie zu sehen, wenn auch nicht in einer geraden.“ – Norbert Grob Am 20. Februar 2015 wäre Robert Altman, gestorben im …

The Texas Chainsaw Massacre (WA)

(USA 1974, Regie: Tobe Hooper)

Meat the Family
von Nicolai Bühnemann

Die Vivisektion eines menschlichen Auges mit den Mitteln des Kinos. Mit jedem Schnitt, ausgeführt wie mit dem Rasiermesser, ist die Kamera noch näher dran am Gesicht der übrigens kürzlich verstorbene …

Oktober November

(AT 2013, Regie: Götz Spielmann)

Fragen, größer als die Sprache und das Denken
von Ulrich Kriest

Als im vergangenen Herbst „Oktober November“, der neue Film des österreichischen Autorenfilmers Götz Spielmann, im Rahmen der Hofer Filmtage gezeigt wurde, stach er gerade durch seine Zärtlichkeit und Achtsamkeit auf …

Stereo

(D 2014, Regie: Maximilian Erlenwein)

Und du, mein Freund, bist der Böse …
von Harald Steinwender

Was ist eigentlich mit dem deutschen Kino los? Da hat man sich bequem in seinen Vorurteilen eingerichtet und ein für alle Mal beschlossen, dass die Deutschen einfach kein Genrekino können …

Westen

(D 2013, Regie: Christian Schwochow)

Kein schöner Land
von Ulrich Kriest

Frisch und sehr pragmatisch verheiratet, wurde der promovierten Chemikerin Nelly Senff und ihrem wohl neunjährigem Sohn Alexej die Ausreise aus der DDR bewilligt. Beim Grenzübertritt 1978 demonstriert das Land, das …

Die Frau des Polizisten

(D 2013, Regie: Philip Gröning)

Sehen lernen, Erfahrungshunger stillen
von Ulrich Kriest

Soll man einen Film beschreiben, indem man in einen Zusammenhang bringt, was man auf der Leinwand gesehen und gehört hat? Drei Stunden lang. Also: einen Mann, eine Frau, ein Kind, …

Exit Marrakech

(F / D 2013, Regie: Caroline Link)

Dringliche Realität
von Wolfgang Nierlin

“Sieh zu, dass du was erlebst!”, sagt Dr. Breuer (Josef Bierbichler) im saloppen Befehlston zu seinem zwar guten, aber auch gelangweilten Schüler Benjamin Hofmann (Samuel Schneider). Dessen in letzter Zeit …

Ins Blaue

(D 2012, Regie: Rudolf Thome)

Die verschworenen Blicke der Frauen
von Wolfgang Nierlin

„Träume können Wirklichkeit werden. Alle meine Filme sind realisierte Träume“, sagt der Produzent Abraham Rabenthal (Vadim Glowna in einer seiner letzten Rollen) einmal. Diese Sätze aus Rudolf Thomes aktuellem Film …

Paradies: Hoffnung

(AT / F / D 2013, Regie: Ulrich Seidl)

Welpenschutz unter der Käseglocke
von Sven Jachmann

In den ersten beiden „Paradies“-Filmen leben die zwei weiblichen Hauptfiguren in der Hölle auf Erden – und schmeißen kräftig Brennholz nach. Dritte weibliche Figur in Seidls Trilogie der Christlichen Tugenden …

Quellen des Lebens

(D 2012, Regie: Oskar Roehler)

Wie man dank Kansas wurde, was man ist
von Ulrich Kriest

„There is no place like home.“ aus: „The Wizard of Oz“ (1939) Kriegsheimkehrer-Drama, Wirtschaftswunder-Burleske, Schriftsteller-Bohème im Zeichen des Existentialismus, antiautoritäre Revolte, Post-Hippie-Adoleszenz, Deutscher Herbst – das wären wohl die Stationen …

Paradies: Liebe

(AT / D / F 2012, Regie: Ulrich Seidl)

Handelsware Leidkultur
von Andreas Thomas

„Hakuna Matata“ – „Es gibt keine Probleme“. Mit diesem Slogan in der kenianischen Landessprache Suaheli werden unsere Kleinen dazu animiert, sich nach „Afrika“ ins Land des „Königs der Löwen“ zu …

Dicke Mädchen

(D 2012, Regie: Axel Ranisch)

Plattenbau-Boléro
von Carsten Moll

Wer beim TV-Event a.k.a. Spielfilm-Imitat „Die Wanderhure“ etwas Durchhaltevermögen gezeigt hat, konnte auf halber Strecke zusammen mit einem Millionenpublikum vor den Fernsehapparaten einen kurzen, unspektakulären Auftritt von Heiko Pinkowski bewundern. …

Mein bester Feind

(A / LU 2011, Regie: Wolfgang Murnberger)

Wann ist ein SS-Mann ein SS-Mann?
von Ulrich Kriest

Die an und für sich völlig legitime, wenngleich mitunter von Kritikerkollegen auch etwas wohlfeil (in „Jud Süss – Film ohne Gewissen“ war Bleibtreu doch ganz wunderbar als Knallcharge!) gestellte Frage: …

Wer wenn nicht wir

(D 2011, Regie: Andres Veiel)

Langer Marsch durchs Ursachendickicht
von Ulrich Kriest

Da denkt man, alles sei gesagt – und dann erscheint ein neues Dokument oder gar eine neue Studie, die eine neue Perspektive auf das Geschehen eröffnet. Und wieder geht’s von …

Satte Farben vor Schwarz

(D / CH 2010, Regie: Sophie Heldman)

Sprachlose Negation des Leidens
von Wolfgang Nierlin

Man hat irgendwie kein gutes Gefühl, wenn man den selbstverständlichen, gepflegten Wohlstand der Ruheständler Anita (Senta Berger) und Fred (Bruno Ganz) sieht. Das Eigenheim mit großem Garten und Swimmingpool steht …

Rammbock

(D / A 2010, Regie: Marvin Kren)

Krisen der Hauptstadt
von Sven Jachmann

Geistreich, ansehnlich, unheimlich oder gar subversiv sind deutsche Zombiefilme ganz sicher nicht. Das Zepter liegt in den Händen von Andreas Schnaas, Andreas Bethmann oder Olaf Ittenbach, die dem Exzess das …

Drei

(D 2010, Regie: Tom Tykwer)

Aller guten Dinge sind ...
von Harald Mühlbeyer

Tom Tykwer baut in seinem Film eine Versuchsanordnung auf, eingespannt zwischen den Polen von Ausdruckstanz und Petrischale – dem ersten und dem letzten Bild des Films. Zwischen künstlerischer Performance und …

Drei

(D 2010, Regie: Tom Tykwer)

Unterwegs nach Utopia
von Wolfgang Nierlin

Es gibt eine Opposition in Tom Tykwers neuem Film „Drei“, in der sich die fatalistische Linearität gedachter Lebenswege mit ihren überschaubaren Wechselfällen und das weltanschauliche Modell konzentrischen Wachsens im Sinne …

Im Schatten

(D 2010, Regie: Thomas Arslan)

Die kalte Mechanik des Verbrechens
von Wolfgang Nierlin

Ins diffuse Dämmerlicht der Großstadt prasselt Regen, dessen Geräuschkulisse fast alles zum Verstummen bringt. Unwirtlich und kalt ist die Atmosphäre, von grauer Transparenz die Szenerie. Wie hinter Schleiern bewegt sich …

Renn, wenn du kannst

(D 2010, Regie: Dietrich Brüggemann)

Porno ist das neue Geil
von Ulrich Kriest

Gleich zu Beginn dieser Tragikomödie wird das sehr umfangreiche Manuskript einer Magisterarbeit, der man offenbar keine Träne nachweinen muss, aus dem Fenster einer Duisburger Hochhauswohnung geradezu ejakuliert und fasst ein …