Gesponsert: Trailer zu "Maze Runner"

„Was ist das hier?“; „Wer hat uns hierher gebracht?“; „Ich kann mich an gar nichts erinnern!“; „Was ist da draußen?“; „Das Labyrinth“. Fragen und Antworten, die mir bekannt vorkommen. Wurde mein Leben (the first 50 years) endlich verfilmt, oder sollte es noch mehr Leute geben, die sich so fühlen wie ich? „Maze Runner – Die Auserwählten im Labyrinth“ jedenfalls bemüht sich erfolgreich um eine große, wie die Filmkritik es gerne ausdrückt, „Authentizität“! Jeden Morgen die selben Fragen: “Wie kam ich in dieses Bett?“; „Wer hat mich eigentlich wirklich gezeugt?“ „Ohweh, eins von den 14 Bierchen gestern war wohl schlecht.“ Und: „Wie weit ist es zum nächsten Getränkestützpunkt und komme ich da auch an, ohne zu kotzen?“ – Scherz beiseite: „Maze Runner – Die Auserwählten im Labyrinth“ verspricht Unterhaltung auf hohem Niveau, und dieses mit jugendlichem Schwerpunkt, denn jemand, bei wem die Namen Dylan O’Brien oder Kaya Scodelario nun nicht gleich erotisch motivierte hysterische Zustände hervorrufen, muss sich wahrscheinlich damit abfinden, nicht mehr so ganz taufrisch zu sein. Ob ihm die actiongewaltigen Schauwerte dieser doch für das 3D-Verfahren geradezu prädestinierten Teenager zermalmenden Labyrinthwände allerdings trotzdem zusagen, sei dahin gestellt. Dieses, das 3D-Verfahren übrigens wäre dann das einzige, was Abstriche machte beim hehren Authentizitätsprojekt des Cineplexx-Blockbusters „Maze Runner  – Die Auserwählten im Labyrinth“, denn wie wir ja alle wissen, ist unser aller Realität alles andere als in 3D, sie ist in Wahrheit flach, platt und vordergründig.  (Dieser Text wurde gesponsert von 20th Century Fox !)


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Nordstrand

(Deutschland 2013; Regie: Florian Eichinger)

Spröder werden

foto: © farbfilm
Es mag eine etwas exzentrische Feststellung sein, aber das größte Vergnügen bei "Nordstrand" stellt sich beim zweiten Sehen ein. Dann hat man die Geschichte, die der Film auch erzählt, die er als Echo der Vergangenheit und als Puzzle präsentiert, verstanden und kann sich nun daran machen, all die kleinen und großen Verstöße gegen das konventionelle Erzählen, die sich der Film bewusst und lustvoll herausnimmt, als Qualität zu begreifen und zu genießen.

In Florian Eichingers zweitem Spielfilm (schon das Debüt "Bergfest" konnte 2008 beeindrucken) treffen sich zwei Brüder nach Jahren, in denen sie sich nicht gesehen haben, in ihrem Elternhaus wieder. This house is not a home, wie man so sagt. Noch möbliert, aber schon mit toten Ratten unterm Schrank und Marderschaden in der Küche. Marten, der ältere Bruder, lüftet erst einmal durch, während er auf Volker wartet. Während Marten dem jüngeren Bruder mit herzlicher, geradezu aufdringlicher Empathie entgegentritt, reagiert Volker verschlossen, brüsk und zurückweisend. Volker ist gekommen, um das Haus zu verkaufen und sich so von den Erinnerungen zu befreien. Marten dagegen träumt davon, wieder eine Familie zu werden. Eine Familie? Seit der Beerdigung des Vaters haben sich die Brüder kaum noch gesehen, aber jetzt, wenn die Mutter bald aus dem Gefängnis entlassen wird, könnte man doch ... Sagt Marten.

Bereits nach der Eröffnungssequenz, wenn der Vater seine Söhne beim Schnapssaufen erwischt - und nur Volker bestraft, ahnt man, worum es hier geht: die Familie als Terrorzusammenhang. Aber der Film hält diese Ahnung lange in der Schwebe, vertraut gerade darauf, dass die Brüder sehr lange erst einmal in der unmittelbaren Gegenwart agieren, bevor die Familiengeschichte einschießt. Erinnerungen kommen ins Spiel, die recht eindeutige Spuren legen, was sich in dem Haus einmal abgespielt hat. Verstohlene Blicke durch angelehnte Türen auf körperliche Auseinandersetzungen, die »harmlos« als Kraftprobe beginnen und dann in Gewalt umschlagen, vor der man die Augen verschließt, in andere Räume ausweicht, nicht zu Hilfe eilt, nicht zur Rede stellt. Der jüngere Sohn Volker, so wird schnell klar, war häufig das Opfer väterlicher Gewaltausbrüche, bevor die Mutter dem bösen Treiben ebenso gewaltsam ein Ende setzte.

Auf der Insel kursieren Gerüchte, was damals geschehen ist. Wenige Nebenfiguren etablieren einen überschaubaren Resonanzraum. Die Brüder kamen in eine Pflegefamilie, verloren sich dann aus den Augen. Jetzt müssten sie wieder miteinander sprechen, aber zunächst einmal wird über Bande gespielt: Volkers Ex-Freundin Enna taucht auf, die die Familie hat, die Volker nicht hat. Eine ehemalige Nachbarin schaut vorbei und fragt Volker, ob er sich als Opfer fühle. Tut er, weil er es war. Aber er jammert nicht, weil er in die Zukunft schaut. Sagt er zumindest.

Es ist hochinteressant zu verfolgen, wie Eichinger die Vergangenheit in die Gegenwart wirken lässt. Zwischen Alltagshandlungen schieben sich immer wieder recht unaufdringlich Sätze, die das Geschehen von damals virulent werden lassen. Aber es wird kaum erinnernd visualisiert. Welches Spiel Volker spielt, bleibt sehr lange im Ungefähren, während Marten weniger Geheimnisse zu haben scheint. Kurz vor Schluss schickt Volker der Mutter, von der er sagt, er würde nicht einmal deren Beerdigung besuchen, eine vergiftete Botschaft, die auch Marten empfängt. Klären sich die Fronten jetzt? Marten sucht die Konfrontation, die er, schwer krank, nur verlieren kann. Volker verhindert zwar das Schlimmste, um dann zum Abschied zu sagen: "Mach dir keinen Kopf! Ich war nie anders." Man glaubt ihm kein Wort, zweifelt sogar, dass es sich um Abschiedsworte handelt. Aber sicher kann man sich längst nicht mehr sein.

"Nordstrand", der zweite Teil einer Trilogie über häusliche Gewalt, macht es dem Zuschauer nicht leicht, Position zu beziehen. Das ist eine große Kunst und Qualität, die Florian Eichinger und seine vorzüglich agierenden Darsteller so gut beherrschen, dass man auf seine beiden folgenden Filme - der Schlusspunkt der Trilogie und anschließend ein neues Thema - schon jetzt sehr gespannt sein darf.

Ulrich Kriest

Benotung des Films: (6/10)


Nordstrand
Deutschland 2013 - 89 min.
Regie: Florian Eichinger - Drehbuch: Florian Eichinger - Produktion: Florian Eichinger, Cord Lappe - Kamera: André Lex - Schnitt: Jan Gerold - Musik: André Feldhaus - Verleih: Farbfilm - FSK: ab 12 Jahren - Besetzung: Lennart Bartels, Luise Berndt, William Boer, Martina Krauel, Louis Lex, Daniel Michel, Martin Schleiß, Anna Thalbach, Jan Waßmuth, Rainer Wöss
Kinostart (D): 23.01.2014
DVD-Start (D): 22.08.2014

IMDB-Link: http://www.imdb.com/title/tt2526866/

Details zur DVD:
Bild: 2.35:1 (anamorph) - Sprache: Deutsch (DD 5.1) - Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte - FSK: ab 12 Jahren - Verleih: Farbfilm

Trailer:


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Tja, schon der Trailer von  „Schoßgebete“ berührt, nämlich peinlich. Dann zum Beispiel, wenn das Testament von Lavinia Wilson als Roman-Alter-Ego von Charlotte Roche verlesen wird und der Notar dem Alter-Ego des Ehemannes von Charlotte Roche, Jürgen „Stiftzahn“ Vogel vorliest, dass sie sich erstens von ihrer Asche wünscht, in die schwarze Mülltonne entsorgt zu werden, zweitens sich wünscht, dass er, also Vogel, doch nach ihrem Dahinscheiden möglichst schnell wieder (unfreiwillige Scherze sind eh die besten) vögeln solle, auch Großbusige seien erlaubt. Und drittens müsse sie (Lavinia, Elizabeth, Charlotte) bei Anal-Sex immer an Alice Schwarzer denken, weil diese den als männliche Dominanzausübung verstehe. Ich - liebe Leser - möchte hingegen nicht an Frauen denken müssen, die bei ihrem Analsex an Alice Schwarzer denken, im Gegenteil möchte ich nichts von Leuten wissen, die ihre privaten Trivialitäten nur so vor sich her tragen, wie einen schlechten Atem. Dabei war doch Charlotte Roche mal eine ganz gute und schlaue Musikmoderatin und auch als Talkmasterin hatte und hat sie immer pfiffige Ideen und Schlagfertiges zu bieten. Wer nur hat ihr geflüstert, es mit Literatur zu versuchen? – Jemand, der weiß, wie man in Deutschland Geld macht, offenbar. Ihr erster Roman „Feuchtgebiete“ ging weg wie warme Semmel, ohne gut geschrieben oder interessant zu sein, und ihr zweiter, „Schoßgebete“ hatte in wenigen Tagen die Verkaufszahlen aller möglichen Klassiker in den Schatten gestellt. Die Bücher von Roche, die jeweils eigentlich immer ziemlich überschaubar von einer Frau handeln, die der Roche doch auffallend ähnelt und die ihr Heil stets in sexueller Erfüllung incl. Gebrauchsanweisungen sucht, jedoch damit eigentlich immer irgendein persönliches Trauma (doofe Eltern: „Feuchtgebiete“, Autounfall: „Schoßgebete“) zu heilen trachtet, sind deshalb interessant, weil sie für so viele Deutsche interessant sind. Sie und ihre Verfilmungen, besonders eine wie diese von Sönke Wortmann, geben Aufschluss über die Lage einer Nation, die darniederliegt, und zwar zwischen sexuellen Details und bösen Traumata, die dann ja doch an allem Schuld sind (was in Wahrheit der neoliberale Kapitalismus so verzapft). Tja.
Dieser Artikel wurde gesponsert von Constantin Film!