filme 0-9 a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z     

Drive Angry 3D

(USA 2011; Regie: Patrick Lussier)

Film Stupid

foto: © warner bros.
Nicolas Cage braucht Geld. Viel Geld. Anders lässt es sich kaum erklären, dass der mittlerweile 47-jährige Schauspieler in den letzten Jahren nicht nur omnipräsent im Kino ist, sondern, abgesehen von Ausnahmen wie "Bad Lieutenant - Port of Call New Orleans" (2009; Werner Herzog) und dem poppig-verspielten "Kick-Ass" (2010; Matthew Vaughn), fast durchgehend in Filmen auftritt, die stupend blöde sind. Filme wie "Season of the Witch" ("Der letzte Tempelritter"; Dominic Sena, 2011), "The Sorcerer's Apprentice" ("Duell der Magier"; 2010; Jon Turteltaub) und das überflüssige "The Wicker Man"-Remake von Neil LaBute (2006) sind bestenfalls überflüssig, in der Regel aber eine Beleidigung des Publikums. Dabei hatte alles so gut angefangen: mit Filmen wie "Rumble Fish" (1983) und "Cotton Club" (1984) von seinem Onkel Francis Ford Coppola, "Birdy" (1984) von Alan Parker, "Raising Arizona" ("Arizona Junior"; 1987) von den Coen-Brüdern und "Wild at Heart" (1990) von David Lynch. Irgendwann kamen dann die beiden Über-Hollywood-Produzenten Don Simpson and Jerry Bruckheimer und Filme wie "The Rock" (1996; Michael Bay) und "Con Air" (1997; Simon West). Und Cage wurde vom Actor zum Overactor zur Comicfigur. Dabei war sein zappeliges Überagieren zumindest in den Filmen von John Woo ("Face/Off" / "Im Körper des Feindes"; 1997) und Brian De Palma ("Snake Eyes" / "Spiel auf Zeit"; 1998), die gewissermaßen die "barocke" Phase von Cages Karriere markieren, durchaus unterhaltsam. In "Drive Angry" von Patrick Lussier ist nicht einmal mehr das überkandidelte Spiel geblieben. Mit stumpfen Augen, schleppendem Gang und exakt einem Gesichtsausdruck scheint Cage völlig erstarrt zu sein. Desinteressiert stapft er durch den lustlos hingeklatschten Film.

Dabei verspricht der irrwitzige Plot zunächst einmal ganz großes Kino: Cage spielt Milton, einen Autonarren, der aus der Hölle geflohen und auf Rache aus ist, denn die Sekte des durchgeknallten Satanisten Jonah King (Billy Burke) hat seine Tochter ermordet (der Verweis auf Miltons Paradise Lost ist der einzige gelungene Witz des Films). Aber nicht nur das: Nun hat King auch noch Miltons Enkelin entführt, um diese beim nächsten Vollmond zu opfern, um den Satan höchstpersönlich auf die Erde zu holen. Bei dem Versuch, das Kleinkind aus den Klauen der Sekte zu retten, stehen unserem verbitterten Helden eine umtriebige Kellnerin (Amber Heard) zur Seite, die sich die Drehbuchautoren ausgedacht haben, um ein wenig nackte Haut in den Film zu bringen, und ein getunter 71er Challenger. Damit fährt Milton seine Gegner über den Haufen, wenn nicht gerade eine Schusswaffe zur Hand ist. Einen gewissen "Buchhalter" (William Fichtner) gibt es auch noch, der sich parallel zu Milton durch den Film metzelt. Wer jetzt den Eindruck bekommen hat, dass der Plot reichlich konfus ist, hat völlig Recht.

Für einen solchen Stoff bräuchte es einen Robert Rodriguez, der Trash nicht nur verehrt und willens ist, sein Publikum rücksichtslos damit zu traktieren, sondern sich mit aufrichtiger Liebe die alten Versatzstücke aneignet, aus deren Material etwas Neues formt und sichtlich Spaß dabei hat. Patrick Lussier dagegen ist nur ein schlechter Handwerker, der sein Publikum verachtet. Nichts stimmt an "Drive Angry": nicht das 3D, das kein Gefühl von Raumtiefe erzeugt, zum Schielen zwingt und Gegenlicht in irritierende Bildschlieren verwandelt, nicht die billigen Effekte aus dem Rechner, die einen sprichwörtlichen Blick in die Hölle zum schlechten Witz werden lassen, nicht die viele Gewalt, die weder weh tut noch schockiert noch unterhält, auch nicht die bemühten Verweise auf Klassiker wie "The Road Warrior" ("Mad Max 2 - Der Vollstrecker"; 1981) und "Terminator" (1984), und ganz gewiss nicht das Drehbuch, das so sprunghaft ist, dass man sich wiederholt fragt, ob man nicht trotz all dem Geschepper für einen kurzen Moment eingenickt ist. Von den lustlosen Dialogen, dem Schauspiel, dem Musikeinsatz, dem stumpf-aggressiven Sexismus und der deutschen Synchronisation, die an den berühmt-berüchtigten Rainer Brandt erinnert, sollten wir sowieso schweigen. Das Schlimmste aber ist, dass das Ganze so schlecht ist, das es nicht einmal wieder gut ist. Wenn Cages Milton etwa eine schlampige Kellnerin mit Silikonbrüsten vögelt und dabei nebenher (!) ein Dutzend Gegner in Fetzen schießt, dann ist das für den Regisseur einfach nur die unmittelbarste Möglichkeit, Sex und Gewalt in einer Szene, möglichst in einer Einstellung zusammenzubringen. Und wenn Milton beim Vögeln und Töten von seinen Gegnern schließlich mit einem Elektro-Schocker traktiert wird, sodass die Frau, die unter ihm liegt, nur so zuckt, dann gelingt es Lussier nicht einmal, die Szene mit dem naheliegenden Herrenwitz zu beenden, dass die Frau zum Orgasmus kommt. Womit die Sequenz freilich kein bisschen besser, aber zumindest konsequent zu Ende geführt worden wäre. Aber was will man schon von einem Film erwarten, der in seinen letzten Bildern den Protagonisten buchstäblich auf dem "Highway to Hell" abfahren lässt und dazu nicht einmal den entsprechenden AC/DC-Song einsetzt?

Harald Steinwender

Benotung des Films: (1/10)


Drive Angry 3D
OT: Drive Angry 3D
USA 2011 - 104 min.
Regie: Patrick Lussier - Drehbuch: Todd Farmer, Patrick Lussier - Produktion: René Besson, Michael De Luca - Kamera: Brian Pearson - Schnitt: Devin C. Lussier, Patrick Lussier - Musik: Michael Wandmacher - Verleih: Warner Bros. - FSK: keine Jugendfreigabe - Besetzung: Nicolas Cage, Amber Heard, William Fichtner, Billy Burke, David Morse, Katy Mixon, Christa Campbell, Charlotte Ross
Kinostart (D): 24.02.2011

IMDB-Link: http://www.imdb.com/title/tt1502404/
Pressespiegel auf filmz.de: http://www.filmz.de/film_2011/drive_angry/links.htm
Pressespiegel auf film-zeit.de: http://www.film-zeit.de/Film/21776/DRIVE-ANGRY-3D/Kritik/

Trailer:


Artikel teilen:          


Kommentare


Einträge: 0
im kino:aktuelldemnächst
Zurzeit keine Einträge
auf dvd:aktuelldemnächst
dvd/bluray-start: 26.08.2016

Ein Atem

(D 2015; Christian Zübert)
Neue Wege zwischen Komödie und Kunstkino von Manfred Riepe
dvd-start: 25.08.2016

Die Kommune

(DK 2015; Thomas Vinterberg)
Zeitalter der Liebe von Wolfgang Nierlin

Die Kommune

(DK 2015; Thomas Vinterberg)
Unsere kleine Farm von Ulrich Kriest
dvd/bluray-start: 04.08.2016

Batman V Superman: Dawn of Justice

(USA 2016; Zack Snyder)
Batman im Taka-Tuka-Land? von Lukas Schmutzer
dvd/bluray-start: 22.07.2016

Der Bunker

(D 2015; Nikias Chryssos)
Im schwarzen Loch der Erziehung von Wolfgang Nierlin

Der Bunker

(D 2015; Nikias Chryssos)
"Das ist Erziehung" von Nicolai Bühnemann
dvd/bluray-start: 15.07.2016

Bang Gang - Die Geschichte einer Jugend ohne Tabus

(F 2015; Eva Husson)
Emotionale Häutungen von Wolfgang Nierlin
dvd-start: 15.07.2016

Riverbanks

(GR / D / T 2015; Panos Karkanevatos)
Liebe auf der Flüchtlingsroute von Jürgen Kiontke
dvd/bluray-start: 30.06.2016

Hail, Caesar!

(USA 2016; Ethan Coen, Joel Coen)
Dialektik von Manfred Riepe
dvd/bluray-start: 23.06.2016

Blow Out - Der Tod löscht alle Spuren

(USA 1981; Brian de Palma)
Ende einer Ära von Nicolai Bühnemann
bluray-start: 23.06.2016

Rabid Dogs

(I 1974; Mario Bava)
In der Hölle der gedemütigten Frauen von Nicolai Bühnemann
dvd/bluray-start: 03.06.2016

Shaandaar - Schlaflos verliebt

(IN 2015; Vikas Bahl)
Liebeswirren im Prinzregentensaal von Michael Schleeh
dvd/bluray-start: 02.06.2016

Remember - Vergiss nicht, Dich zu erinnern

(CA / D 2015; Atom Egoyan)
Vielen Dank für das Rezeptionsabenteuer von Dietrich Kuhlbrodt

Remember - Vergiss nicht, dich zu erinnern

(CA / D 2015; Atom Egoyan)
Der Holocaust-Terminator von Manfred Riepe

The Big Short

(USA 2015; Adam McKay)
Einstürzende Elfenbeintürme von Manfred Riepe

The Big Short

(USA 2015; Adam McKay)
Hier platzt gleich die Blase von Ulrich Kriest

kurzkritik

America's Sweethearts

(USA 2001; Joe Roth)

Satire als Flaschenkorken

von Marit Hofmann

Riverbanks

(GR / D / T 2015; Panos Karkanevatos)

Liebe auf der Flüchtlingsroute

von Jürgen Kiontke

9 Songs

(GB 2004; Michael Winterbottom)

Sex. Sex. Sex.

von Dietrich Kuhlbrodt

ältere filme

Ein einsamer Ort

(USA 1950; Nicholas Ray)

Die feministische Aneignung des Film Noir

von Nicolai Bühnemann

Dolls

(I/USA 1987; Stuart Gordon)

Bad Parents Nightmare oder: Wie Mörderpuppen die schwarze Pädagogik auf den Kopf stellen

von Nicolai Bühnemann

Blow Out - Der Tod löscht alle Spuren

(USA 1981; Brian de Palma)

Ende einer Ära

von Nicolai Bühnemann

bücher

Wim Wenders: Die Pixel des Paul Cézanne und andere Blicke auf Künstler

Filmemacher Wim Wenders wird siebzig und veröffentlicht eine neue Textsammlung

von Wolfgang Nierlin

Matthias Wannhoff: Unmögliche Lektüren. Zur Rolle der Medientechnik in den Filmen Michael Hanekes

Denken wie Film

von Lukas Schmutzer

Robert Warshow: Die unmittelbare Erfahrung

Warshow ist im Kino

von Sven Jachmann

interviews

"Der europäische Film ist online nicht sichtbar"

Dr. Christian Bräuer, Geschäftsführer der Yorck-Kino GmbH, im Gespräch über den deutschen Kinomarkt

von Ricardo Brunn

"Extreme Charaktere in einem extremen Raum"

Im Gespräch mit Nikias Chryssos über seinen Film "Der Bunker"

von Wolfgang Nierlin

"Gegen den Mainstream des Vergessens"

Interview mit Lars Kraume über seinen Film "Der Staat gegen Fritz Bauer"

von Wolfgang Nierlin

texte

Die Frau im Spiegel

Ein Versuch über Douglas Sirk anlässlich der Gesamtretrospektive im Zeughauskino

von Nicolai Bühnemann

Gegen die Gesellschaft, für das Glück

Zum Werk Eloy de la Iglesias

von Nicolai Bühnemann

Best of Kinojahr 2015

Die Oscars der Filmgazette

comic

Die Suche nach dem Paradies in der Postapokalypse

Über Hermanns Genrewurf "Der Fährmann"

von Bernd Kronsbein

Wenn die Mumie erwacht

Über Richard Corbens "Creepy"-Klassiker und die Zombie-Revitalisierung "Revival"

von Christoph Haas

Sinfonie einer Großstadt

Über Andreas' Pulp-Meisterwerk "Capricorn"

von Bernd Kronsbein

kolumne

Angewandte Filmkritik

Episoden 1-9

von Jürgen Kiontke

Magische Momente 27

Lost in Translation

von Klaus Kreimeier

Magische Momente 26

Det hemmelighedsfulde X (Das geheimnisvolle X)

von Klaus Kreimeier

festival

Berlinale 2015 - Notizen und Kritiken

Der Berlinale-Kanal der filmgazette

Berlinale 2014 - Notizen und Kritiken

Der Berlinale-Kanal der filmgazette

9. Achtung Berlin Festival 2013

von Ricardo Brunn