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Der Dieb des Lichts

(Frankreich / Deutschland / Niederlande / Kirgisien 2010; Regie: Aktan Arym Kubat)

Bedrohte Identität

foto: © neue visionen
Weil es in dem kirgisischen Landstrich wenig Arbeit und Wohlstand gibt, gehen die jungen Männer nach Kasachstan und Russland. Die Alten bleiben derweil daheim und nerven mit ihrer beharrlichen Schwerhörigkeit und stolzen Heimatliebe jene windigen Geschäftemacher und berechnenden Investoren, die es auf Ländereien und Immobilien abgesehen haben und dafür mit Dollars und kostspieligen Geschäftsessen die lokale Politik instrumentalisieren. Die Preise für den privatisierten Strom steigen in dieser strukturschwachen Region kontinuierlich und wider alle Vernunft an. Nur der Wind über den weiten Ebenen scheint sich treu zu bleiben.

Natürlich regt sich in diesem unaufgeregt hingetupften, mit feiner Ironie ziselierten Setting auch ein leiser Widerstand, dessen Träger sich jedoch weniger subversiv versteht und stattdessen mit naiver Aufrichtigkeit tätige Nächstenliebe praktiziert. Verkörpert wird er mit sanftem Mut und sozialem Gewissen vom örtlichen Elektriker Svet-Ake, der von Aktan Arym Kubat, dem Regisseur des Films "Der Dieb des Lichts", selbst gespielt wird. Der "gute Mensch" mit dem großen Herzen dreht nämlich die Stromzähler derjenigen Dorfbewohner zurück, "die nicht bezahlen können", was nicht ohne Konsequenzen bleibt. Insgeheim hegt der liebevolle Familienvater aber eine energiepolitische Vision und träumt von einer autonomen, windgetriebenen Energiegewinnung. Dafür lässt er sich zunächst arglos mit den neuen, falschen Wortführern ein.

Kubats Film wirft jedoch nicht nur einen kritischen Blick auf die Ankunft der Globalisierung in einem kleinen kirgisischen Dorf, sondern zeichnet vor allem das stimmungsvolle Portrait eines stets aufmerksamen, solidarischen und liebevollen Menschen, dessen Handeln Anteilnahme ausdrückt und der doch nicht frei ist von Widersprüchen und Versuchungen. So wünscht sich der Vater von vier Töchtern sehnlichst einen Sohn; und eine geheimnisvolle Schöne aus der Nachbarschaft weckt sein erotisches Begehren. Verwoben sind diese teils burlesken Episoden wiederum mit Impressionen des traditionellen Lebens, seinen Bräuchen und Ritualen, hinter denen eine bedrohte Identität aufscheint.

Wolfgang Nierlin

Benotung des Films: (7/10)


Der Dieb des Lichts
OT: Svet-Ake
Frankreich / Deutschland / Niederlande / Kirgisien 2010 - 80 min.
Regie: Aktan Arym Kubat - Drehbuch: Aktan Arym Kubat, Talip Ibraimov - Produktion: Altynai Koichumanova, Cédomir Kolar, Thanassis Karathanos, Marc Baschet, Karl Baumgartner, Denis Vaslin - Kamera: Khassan Kydyraliev - Schnitt: Petar Markovic - Musik: Matthias Adler - Verleih: Neue Visionen - FSK: ab 12 Jahre - Besetzung: Aktan Arym Kubat, Taalaikan Abazova, Askat Sulaimanov, Asan Amanov, Stanbek Toichubaev
Kinostart (D): 14.04.2011

IMDB-Link: http://www.imdb.com/title/tt1646979/
Pressespiegel auf filmz.de: http://www.filmz.de/film_2011/der_dieb_des_lichts/links.htm
Pressespiegel auf film-zeit.de: http://www.film-zeit.de/Film/21931/DER-DIEB-DES-LICHTS/Kritik/

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