„Was ist das hier?“; „Wer hat uns hierher gebracht?“; „Ich kann mich an gar nichts erinnern!“; „Was ist da draußen?“; „Das Labyrinth“. Fragen und Antworten, die mir bekannt vorkommen. Wurde mein Leben (the first 50 years) endlich verfilmt, oder sollte es noch mehr Leute geben, die sich so fühlen wie ich? „Maze Runner – Die Auserwählten im Labyrinth“ jedenfalls bemüht sich erfolgreich um eine große, wie die Filmkritik es gerne ausdrückt, „Authentizität“! Jeden Morgen die selben Fragen: “Wie kam ich in dieses Bett?“; „Wer hat mich eigentlich wirklich gezeugt?“ „Ohweh, eins von den 14 Bierchen gestern war wohl schlecht.“ Und: „Wie weit ist es zum nächsten Getränkestützpunkt und komme ich da auch an, ohne zu kotzen?“ – Scherz beiseite: „Maze Runner – Die Auserwählten im Labyrinth“ verspricht Unterhaltung auf hohem Niveau, und dieses mit jugendlichem Schwerpunkt, denn jemand, bei wem die Namen Dylan O’Brien oder Kaya Scodelario nun nicht gleich erotisch motivierte hysterische Zustände hervorrufen, muss sich wahrscheinlich damit abfinden, nicht mehr so ganz taufrisch zu sein. Ob ihm die actiongewaltigen Schauwerte dieser doch für das 3D-Verfahren geradezu prädestinierten Teenager zermalmenden Labyrinthwände allerdings trotzdem zusagen, sei dahin gestellt. Dieses, das 3D-Verfahren übrigens wäre dann das einzige, was Abstriche machte beim hehren Authentizitätsprojekt des Cineplexx-Blockbusters „Maze Runner  – Die Auserwählten im Labyrinth“, denn wie wir ja alle wissen, ist unser aller Realität alles andere als in 3D, sie ist in Wahrheit flach, platt und vordergründig.  (Dieser Text wurde gesponsert von 20th Century Fox !)

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Piranha 3D

(USA 2010; Regie: Alexandre Aja)

When history bytes back …

foto: © kinowelt
Dass sich der französische Regisseur Alexandre Aja nach seinem gleichsam fulminanten wie verstörenden Erstlingswerk "Haute Tension" (2003) gleich in zweierlei Hinsicht hin zum amerikanischen Mainstream bewegt hat, ist gleichermaßen produktiv wie erfreulich. Zum einen sind seine nach "Haute Tension" entstandenen Werke oftmals Remakes gewesen, zum anderen sind sie durch (nicht nur aber durchaus auch finanziell) solide Produktion ausgezeichnet. Im Fall des Remakes vom Joe-Dante-Fisch-Horrorfilm "Piranha", den dieser 1978 zugleich als Kopie wie als Persiflage auf Spielbergs "Jaws" (1974) angelegt hatte, zeigt sich der ganze intellektuelle Trickreichtum Ajas.

Denn anders als bei Dante sind Ajas Killerfische nicht das Ergebnis genetischer Tierversuche zum Zwecke der biologischen Kriegsführung - die neuen Piranhas sind eine ausgestorben geglaubte Gattung, die durch ein Erdbeben aus einem unterirdischen See an einen "oberflächlichen" See gelangt, der alljährlich zum Ziel partyhungriger Studenten wird, die dort ihr "Spring Break" bei reichlich Alkohol, Drogen und Sex feiern. Als der halb aufgefressene Kadaver eines Fischers (gespielt von "Jaws"-Darsteller Richard Dreyfuss) an den Seestrand gespült wird, sind die ortsansässige Polizistin (Elisabeth Shue) und ihr Deputy (Ving Rhames) vorgewarnt und versuchen die Badegäste vom Baden abzuhalten. Gleichzeitig erleiden die drei Kinder der Polizistin auf dem Piranha-verseuchten See Schiffbruch, weswegen sie sich noch besonders mit der Rettung beeilen muss.

Was als allzu chauvinistischer, Brüste und Hintern in Großaufnahme und Zeitlupe vorführender "Sexklamauk goes Horrorflic" beginnt - und man fragt sich zwischenzeitlich wirklich, ob sich Aja ideologisch verritten haben könnte -, gerät, nachdem der Piranhaschwarm die Menschenmeute erreicht hat, zu einem der blutigsten Exzesse der Splatterfilmgeschichte. Angesichts der detaillierten Zerstörung junger menschlicher Körper und der schon mehr als sarkastischen Inszenierung von Gewalt und Schmerz wird man als Zuschauer recht brutal daran erinnert, wer diesen Film gedreht hat und dass es sich hier offenbar um eine als Destruktion getarnte Dekonstruktion handelt. Dekonstruiert wird von Ajas "Piranha"(s) zugleich die Genre-Geschichte des 70er/80er-Jahre Tierhorrorfilms, wie die Körperinszenierung neuerer Horrorfilme. Die Piranhas zerfasern die aufpolierte Schönheit ihrer Opfer, die zuvor doch bloß Oberfläche sein wollten und zeigen im Wortsinne, was in ihnen steckt. Das sind neben Knochen, Muskeln, Sehen und viel Blut auch Implantate aus Silikon, die Aja zynisch an der Kamera vorbei in Zeitlupe durch Wasser schweben lässt.

Der 3D-Effekt, der in den Film nachträglich eingebracht wurde, leistet für dieses Projekt ganze Arbeit: Das Bild geht vielschichtig in die Raumtiefe als dass Ereignisse aus ihm heraus in den Kinoraum ragen würden. Das Wasser, das von Beginn des Films an als bedrohlicher und mysteriöser Raum inszeniert wird, erhält durch diese räumliche Schichtung schnell den Charakter eines intermediären Raums, eines Mediums, durch das sich die Killerfische als Dingsymbole der Vergangenheit auf die Gegenwart zubewegen. Diese Gegenwart ist nicht nur die des Party-Strandes, sondern auch die der Filmgeschichte. Die Piranhas verkörpern ein Sinnbild von "Remake" und zeigen, dass die Filmstoffe der Vergangenheit über durchaus so scharfe Zähne verfügen, dass sie die Images heutiger Genreproduktion aufs Leichteste zu sezieren im Stande sind.

Stefan Höltgen

Benotung des Films: (10/10)


Piranha 3D
OT: Piranha 3D
USA 2010 - 87 min.
Regie: Alexandre Aja - Drehbuch: Pete Goldfinger, Josh Stolberg - Produktion: Alexandre Aja - Kamera: John R. Leonetti - Schnitt: Baxter - Musik: Michael Wandmacher - Verleih: Kinowelt - FSK: ab 18 Jahren - Besetzung: Elisabeth Shue, Adam Scott, Jerry O'Connell, Kelly Brook, Ving Rhames, Jessica Szohr, Steven R. McQueen, Christopher Lloyd, Richard Dreyfuss, Sage Ryan, Eli Roth,
Kinostart (D): 14.10.2010

IMDB-Link: http://www.imdb.de/title/tt0464154/
Pressespiegel auf filmz.de: http://www.filmz.de/film_2010/piranha_3d/links.htm
Pressespiegel auf film-zeit.de: http://www.film-zeit.de/Film/21611/PIRANHA-3D/Kritik/

Trailer:


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Tja, schon der Trailer von  „Schoßgebete“ berührt, nämlich peinlich. Dann zum Beispiel, wenn das Testament von Lavinia Wilson als Roman-Alter-Ego von Charlotte Roche verlesen wird und der Notar dem Alter-Ego des Ehemannes von Charlotte Roche, Jürgen „Stiftzahn“ Vogel vorliest, dass sie sich erstens von ihrer Asche wünscht, in die schwarze Mülltonne entsorgt zu werden, zweitens sich wünscht, dass er, also Vogel, doch nach ihrem Dahinscheiden möglichst schnell wieder (unfreiwillige Scherze sind eh die besten) vögeln solle, auch Großbusige seien erlaubt. Und drittens müsse sie (Lavinia, Elizabeth, Charlotte) bei Anal-Sex immer an Alice Schwarzer denken, weil diese den als männliche Dominanzausübung verstehe. Ich - liebe Leser - möchte hingegen nicht an Frauen denken müssen, die bei ihrem Analsex an Alice Schwarzer denken, im Gegenteil möchte ich nichts von Leuten wissen, die ihre privaten Trivialitäten nur so vor sich her tragen, wie einen schlechten Atem. Dabei war doch Charlotte Roche mal eine ganz gute und schlaue Musikmoderatin und auch als Talkmasterin hatte und hat sie immer pfiffige Ideen und Schlagfertiges zu bieten. Wer nur hat ihr geflüstert, es mit Literatur zu versuchen? – Jemand, der weiß, wie man in Deutschland Geld macht, offenbar. Ihr erster Roman „Feuchtgebiete“ ging weg wie warme Semmel, ohne gut geschrieben oder interessant zu sein, und ihr zweiter, „Schoßgebete“ hatte in wenigen Tagen die Verkaufszahlen aller möglichen Klassiker in den Schatten gestellt. Die Bücher von Roche, die jeweils eigentlich immer ziemlich überschaubar von einer Frau handeln, die der Roche doch auffallend ähnelt und die ihr Heil stets in sexueller Erfüllung incl. Gebrauchsanweisungen sucht, jedoch damit eigentlich immer irgendein persönliches Trauma (doofe Eltern: „Feuchtgebiete“, Autounfall: „Schoßgebete“) zu heilen trachtet, sind deshalb interessant, weil sie für so viele Deutsche interessant sind. Sie und ihre Verfilmungen, besonders eine wie diese von Sönke Wortmann, geben Aufschluss über die Lage einer Nation, die darniederliegt, und zwar zwischen sexuellen Details und bösen Traumata, die dann ja doch an allem Schuld sind (was in Wahrheit der neoliberale Kapitalismus so verzapft). Tja.
Dieser Artikel wurde gesponsert von Constantin Film!