Gesponsert: Trailer zu "Maze Runner"

„Was ist das hier?“; „Wer hat uns hierher gebracht?“; „Ich kann mich an gar nichts erinnern!“; „Was ist da draußen?“; „Das Labyrinth“. Fragen und Antworten, die mir bekannt vorkommen. Wurde mein Leben (the first 50 years) endlich verfilmt, oder sollte es noch mehr Leute geben, die sich so fühlen wie ich? „Maze Runner – Die Auserwählten im Labyrinth“ jedenfalls bemüht sich erfolgreich um eine große, wie die Filmkritik es gerne ausdrückt, „Authentizität“! Jeden Morgen die selben Fragen: “Wie kam ich in dieses Bett?“; „Wer hat mich eigentlich wirklich gezeugt?“ „Ohweh, eins von den 14 Bierchen gestern war wohl schlecht.“ Und: „Wie weit ist es zum nächsten Getränkestützpunkt und komme ich da auch an, ohne zu kotzen?“ – Scherz beiseite: „Maze Runner – Die Auserwählten im Labyrinth“ verspricht Unterhaltung auf hohem Niveau, und dieses mit jugendlichem Schwerpunkt, denn jemand, bei wem die Namen Dylan O’Brien oder Kaya Scodelario nun nicht gleich erotisch motivierte hysterische Zustände hervorrufen, muss sich wahrscheinlich damit abfinden, nicht mehr so ganz taufrisch zu sein. Ob ihm die actiongewaltigen Schauwerte dieser doch für das 3D-Verfahren geradezu prädestinierten Teenager zermalmenden Labyrinthwände allerdings trotzdem zusagen, sei dahin gestellt. Dieses, das 3D-Verfahren übrigens wäre dann das einzige, was Abstriche machte beim hehren Authentizitätsprojekt des Cineplexx-Blockbusters „Maze Runner  – Die Auserwählten im Labyrinth“, denn wie wir ja alle wissen, ist unser aller Realität alles andere als in 3D, sie ist in Wahrheit flach, platt und vordergründig.  (Dieser Text wurde gesponsert von 20th Century Fox !)


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Liegen lernen

(Deutschland 2003; Regie: Hendrik Handloegten)

Just like youth never happened

foto: © warner / x verleih (dvd)
Rückwärts wendet sich "Liegen Lernen", um was zu tun? Uns Mittvierzigern Erinnerungen an Erinnerungen zu schenken? Uns mit unserer belanglosen Achtziger-Jahre-Adoleszenz zu versöhnen?

Interessant ist, dass Filme über Jugend in den Achtzigern - die immer häufiger gemacht werden, weil die, die in den Achtzigern jung waren, langsam arriviert genug sind, Filme machen zu dürfen - völlig anders aussehen als die Filme, die in den Achtzigern über das Jungsein in den Achtzigern gedreht wurden. Hauptmerkmal dieser, auch in "Liegen Lernen" versuchten, Vergangenheitsbewältigung: Das war alles nicht so grell und vor allem nicht so witzig, sondern ziemlich öde, normal und dumpf. Und wenn die Theorie stimmt, dass in repressiven Zeiten besonders viele Komödien gemacht werden, dann sind all die hysterisch-lustigen Filme der Dörries und wie wie sie alle heissen, in denen Katja Riemann und die ganz verrückte Zweier-, Dreier-, Viererkiste die Hauptrolle spielte, bester Beleg dafür, dass der deutsche Film umso unterhaltender und apolitischer war, je dröger und apolitischer seine Zeit wurde, sprich: die Achtziger waren ganz schön schlimm!

Irgendwas hat sich seitdem im deutschen Film geändert. Die spießig-skurrilen Komödien, deren Protagonisten dadurch nervten, dass sie psychomäßig null gemeinsame Schnittmenge mit uns hatten, sterben langsam aus, und spätestens seit Hans-Christian Schmids "23- Nichts ist wie es scheint" versuchen Regisseure die deutschen achtziger Jahre aus der Erinnerung zu rekonstruieren, was mal besser, mal weniger gelingt, aber stets zu interessanteren Ergebnissen führt, als die zeitgenössischen Exponate (sieht man mal von Ausnahmen ab, wie Detlev Bucks Frühwerk).

Helmut (Fabian Busch) soll erwachsen werden - fordert seine Freundin. Entweder ein Kind machen oder Schluss. Eigentlich liebt er sie ja wirklich, aber um mit seiner eingeschliffenen passiv-verantwortungsfreien Lebenshaltung endlich ein Ende machen zu können, meint er, sich und uns erklären zu müssen, wie und wodurch er zu dem geworden ist, der sich vor finalen Bindungsentscheidungen scheut. Also erzählt er - oder besser: zählt er auf -, welches Mädchen er wann (nämlich in den Achtzigern), warum und wie geliebt hat: Außer einer, der ersten, hat er nämlich nie eine geliebt - bis offenbar jetzt.

Und jetzt tritt der Film in seine Hauptleistungsphase, er erweckt das Jahr 1982 recht schön zum Leben: Die Schulklasse, die Klassenfahrt nach Berlin, die modisch politisch überengagierte Klassenschöne Britta, mit ihren liberalen Eltern, die sie mit Vornamen anspricht, während Helmuts Eltern Vater und Mutter bleiben, in seinem beengten kleinbürgerlichen Zuhause. In diesem Teil stimmt so manches, und selten wurde eine erste Verliebtheit engagierter ausgemalt als in diesem Film. "Liegen Lernen" beharrt dabei ausschliesslich auf der subjektiven Perspektive des Helden, aber das schadet nicht, denn mit ihm gemeinsam bekommen wir (später) auch seine Irrtümer und Fehleinschätzungen zu sehen. Schöne Einsichten bekommen wir, über die damalige Jugend, die insgesamt noch nicht so cool oder abgebrüht war, sondern - und das mag ich bestätigen - verglichen mit heute naiv und nett (oder ist heute Jugend naiv und cool?).

Schwach ist der Film in Punkto Musik. In einem coming of age-Film über die Achtziger, eine musikalisch ziemlich wichtige Zeit, drängt sich eine akustische Illustration der inneren Befindlichkeiten geradezu auf, doch über Kansas′ "Dust in The Wind" und Fischer Z′s "Berlin" geht der Film nicht nachhaltig hinaus, "like punk, wave, hiphop never happened". Vielleicht - und da nähern wir uns auch schon meinem Haupteinwand - liegt dieser Mangel aber in der Langweiligkeit des Protagonisten, der an keiner Stelle so vital ist, dass er die Erregung vitaler Popmusik, von der es in Achtzigern jede Menge gab, vernimmt. Wenn Popmusik den Gefühlen Jugendlicher Ausdruck verleiht, dann ist unser Helmut - misst man ihn an der ihm zugeordneten Musik - überhaupt kein Jugendlicher. Tanzt er z.B. jemals?

Weniger einfühlsam und eher oberflächlich begleitet der Film Helmut - nach Brittas plötzlichem Abgang - durch seine Twen-Zeit. Studenten-WG, Studium, Beziehungen, Fremdgehen. Die westdeutschen Achtziger bestehen für Helmut fast nur aus Liebesbeziehungen und Helmut Kohl - vermittelt uns der Film. Und letzterer muss irgendwie unangenehm gewesen sein. Hier wird der Film zu unaufmerksam, zu mager, zu privatim, zu weit weg vom Achtzigerzeitgeist, zu sehr liebes Unterhaltungskino, als dass er treffend oder gar kritisch sein könnte.

Je länger "Liegen Lernen" dauert, desto ungenauer werden auch seine Figuren. Die Mauer fällt. Britta taucht wieder auf - im ekstatischen, großdeutschen Berlin, völlig verändert, wie nach einer Gehirnwäsche; möglich wäre dergleichen, aber erklärt wird ihre persönliche Wandlung gar nicht. Die Personage gerät oft zu oberflächlich. Schließlich ordnen sich Handlung und Figuren zu sehr einem zu konstruierten Script unter, in dem Helmuts Egoperspektive und sein programmatisches Erwachsenwerden Prämisse sind.

Vorweg genommen sei: Er wird es ...
Und dass der Film tatsächlich damit endet, dass Helmut erwachsen wird, am Ende nicht nur "liegen" (schließlich fällt er noch einmal voll auf die Fresse) sondern auch "lieben" gelernt haben will, was der Titel ja unheimlich raffiniert impliziert, ist zu schlicht und einfach, als dass man es nun noch glauben möchte. Dieses Erwachsenwerden nach Plan offenbart wohl am ehesten, wie unerwachsen es in den Köpfen von Romanvorlagenautor/Regisseur zugehen mag, und so bleibt "Liegen Lernen" ein teilweise netter, da partiell stimmige Atmosphäre produzierender Film, der leider insgesamt eher etwas für reichlich angepasste, von klein auf Vierzigjährige ist, zu denen ich mich dann doch nicht zählen möchte....

"Lügen lernen" wäre vielleicht der treffendere Titel. Sich selbst belügen lernen - darüber, dass man nichts verpasst hat. Und dann ganz schnell erwachsen sein? Weitere Vierzigjährige zeugen? Und gut is?
Oder wie?

Nee, danke! Punk rules! Oder irgendwas in der Art …

Andreas Thomas

Benotung des Films: (6/10)


Liegen lernen
OT: Liegen lernen
Deutschland 2003 - 87 min.
Regie: Hendrik Handloegten - Drehbuch: Hendrik Handloegten - Produktion: Maria Köpf - Kamera: Florian Hoffmeister - Schnitt: Eleena Bromund - Musik: Dieter Schleip - Verleih: Warner / X Verleih (DVD) - FSK: ab 12 Jahre - Besetzung: Fabian Busch, Susanne Bormann, Fritzi Haberlandt, Sophie Rois, Anka Sarstedt, Birgit Minichmayr, Florian Lukas, Tino Mewes, Sebastian Münster, Beate Abraham, Wilfried Dziallas, Uwe Rohde
Kinostart (D): 04.09.2003

IMDB-Link: http://www.imdb.com/title/tt0325734/
Pressespiegel auf filmz.de: http://www.filmz.de/film_2003/liegen_lernen/links.htm
Pressespiegel auf film-zeit.de: http://www.film-zeit.de/Film/9015/LIEGEN-LERNEN/Kritik/

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Gesponsert: Heißer Trailer zu "Schoßgebete"
 
Tja, schon der Trailer von  „Schoßgebete“ berührt, nämlich peinlich. Dann zum Beispiel, wenn das Testament von Lavinia Wilson als Roman-Alter-Ego von Charlotte Roche verlesen wird und der Notar dem Alter-Ego des Ehemannes von Charlotte Roche, Jürgen „Stiftzahn“ Vogel vorliest, dass sie sich erstens von ihrer Asche wünscht, in die schwarze Mülltonne entsorgt zu werden, zweitens sich wünscht, dass er, also Vogel, doch nach ihrem Dahinscheiden möglichst schnell wieder (unfreiwillige Scherze sind eh die besten) vögeln solle, auch Großbusige seien erlaubt. Und drittens müsse sie (Lavinia, Elizabeth, Charlotte) bei Anal-Sex immer an Alice Schwarzer denken, weil diese den als männliche Dominanzausübung verstehe. Ich - liebe Leser - möchte hingegen nicht an Frauen denken müssen, die bei ihrem Analsex an Alice Schwarzer denken, im Gegenteil möchte ich nichts von Leuten wissen, die ihre privaten Trivialitäten nur so vor sich her tragen, wie einen schlechten Atem. Dabei war doch Charlotte Roche mal eine ganz gute und schlaue Musikmoderatin und auch als Talkmasterin hatte und hat sie immer pfiffige Ideen und Schlagfertiges zu bieten. Wer nur hat ihr geflüstert, es mit Literatur zu versuchen? – Jemand, der weiß, wie man in Deutschland Geld macht, offenbar. Ihr erster Roman „Feuchtgebiete“ ging weg wie warme Semmel, ohne gut geschrieben oder interessant zu sein, und ihr zweiter, „Schoßgebete“ hatte in wenigen Tagen die Verkaufszahlen aller möglichen Klassiker in den Schatten gestellt. Die Bücher von Roche, die jeweils eigentlich immer ziemlich überschaubar von einer Frau handeln, die der Roche doch auffallend ähnelt und die ihr Heil stets in sexueller Erfüllung incl. Gebrauchsanweisungen sucht, jedoch damit eigentlich immer irgendein persönliches Trauma (doofe Eltern: „Feuchtgebiete“, Autounfall: „Schoßgebete“) zu heilen trachtet, sind deshalb interessant, weil sie für so viele Deutsche interessant sind. Sie und ihre Verfilmungen, besonders eine wie diese von Sönke Wortmann, geben Aufschluss über die Lage einer Nation, die darniederliegt, und zwar zwischen sexuellen Details und bösen Traumata, die dann ja doch an allem Schuld sind (was in Wahrheit der neoliberale Kapitalismus so verzapft). Tja.
Dieser Artikel wurde gesponsert von Constantin Film!