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Im Schatten

(Deutschland 2010; Regie: Thomas Arslan)

Die kalte Mechanik des Verbrechens

foto: © peripher
Ins diffuse Dämmerlicht der Großstadt prasselt Regen, dessen Geräuschkulisse fast alles zum Verstummen bringt. Unwirtlich und kalt ist die Atmosphäre, von grauer Transparenz die Szenerie. Wie hinter Schleiern bewegt sich ein Mann, immer lauernd und ein Versteck suchend, durch das Halbdunkel fahler, anonymer Räume, die sich nur vorübergehend dem Privaten öffnen: Straßen, Garagen, wechselnde Hotels und Parkplätze kennzeichnen diese Passagen durchs Nirgendwo. Trojan (Mišel Matičević), ein Berliner Berufsverbrecher und schweigsamer Einzelgänger, ist "wieder draußen" und bald darauf steckt er wieder im alten Gefüge, von allen Seiten gesucht und gejagt. Weil er bei einem früheren Auftraggeber und Bandenchef Schulden eintreibt, muss er sich den Nachstellungen zweier Killer erwehren. Daneben gerät er ins Visier eines alten Bekannten namens Renee Meyer (Uwe Bohm), der als korrupter Polizist und bad cop "auf eigene Rechnung" arbeitet. Und schließlich ist er dabei, mit seiner früheren Pflichtverteidigerin Dora Hillmann (Karoline Eichhorn) einen neuen Coup, den Überfall auf einen Geldtransporter, vorzubereiten.

Thomas Arslan beschreibt in seinem neuen Film "Im Schatten" eine dunkle, hermetische Welt des Verbrechens, die wie abgetrennt von der Alltagswirklichkeit erscheint und deren kühle Mechanik keine Emotionen zulässt. Diese folgt eigenen Regeln und Gesetzen, wobei Trojans Professionalität, sein rationales Abwägen der Risiken bei schwierigen Entscheidungen geradezu geschäftsmäßige Züge trägt. Wie in den Filmen des französischen Krimispezialisten Jean-Pierre Melville ist dieses "Berufsethos" Teil einer Welt, in der die Grenze zwischen Gut und Böse, Gesetz und Verbrechen verwischt ist. Minutiös und genau, sachlich und schnörkellos inszeniert Arslan die kriminelle Arbeit seines Helden, die damit verbundenen zeitlichen Abläufe, die Geduld der Verfolger und die kalte, erschreckend präzise Gewalt, die sich in einer Mischung aus Reflex und Kalkül entlädt.

"Im Schatten" zeichnet die zielgerichteten Bewegungen durch eine Stadtlandschaft auf; dabei erfüllt er als Film die Genre-Codes und findet zugleich einen eigenen, spannungsreichen Ton. Sein verlorener, nicht unsympathischer Held, der zwischen allen Fronten agiert, ist zum Scheitern verurteilt. Trojan verkörpert einen modernen, existentialistischen Sisyphos, dessen Arbeit vergeblich ist und dessen ephemerer Profit wie in einer Art Nullsummenspiel sinnlos zerrinnt. Als einsamer Verfolgter bleibt er auf seiner Reise durch die Nacht mit vager Hoffnung in einem negativen Kreislauf unerlöst gefangen.

[Link zum Interview mit Regisseur Thomas Arslan]

Wolfgang Nierlin

Benotung des Films: (8/10)


Im Schatten
OT: Im Schatten
Deutschland 2010 - 86 min.
Regie: Thomas Arslan - Drehbuch: Thomas Arslan - Produktion: Inge Classen, Florian Koerner von Gustorf, Michael Weber - Kamera: Reinhold Vorschneider - Schnitt: Bettina Blickwede - Musik: Geir Jenssen - Verleih: Peripher - FSK: ab 12 Jahren - Besetzung: Misel Maticevic, Rainer Bock, Uwe Bohm, Karoline Eichhorn, Timo Jacobs, Peter Kurth, Jörg Malchow, Hanns Zischler
Kinostart (D): 07.10.2010

IMDB-Link: http://www.imdb.de/title/tt1598538/
Pressespiegel auf filmz.de: http://www.filmz.de/film_2010/im_schatten/links.htm
Pressespiegel auf film-zeit.de: http://www.film-zeit.de/Film/21227/IM-SCHATTEN/Kritik/

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Die Menschen, die Bakterien und die guten alten Viren, eine faszinierende Melange, die in der Menschheitsgeschichte immer wieder für Wirbel und Elend und in der Fernseh- und Filmgeschichte für spannende und gute Unterhaltung gesorgt hat. Epidemien und Pandemien führten zu grausamen Szenarien in der Menschheitsgeschichte und in der Medienhistorie zu erregend apokalyptischen Fantasien, die auch mit der Lust an einer Angst vor der totalen Auslöschung der Menschheit einhergingen. Die aufrüttelnde Vision einer menschheitsvernichtenden General-Infektion zum Tode einerseits, andererseits die Infektion als soziopsycholische Parabel vom normativen gesellschaftlichen und ökonomischen Anpassungsdruck. Hier können als Beispiel etwa die normierten und gefühllosen menschenfressenden Zombies - und ihr ganz autonomes Virus-Genre der Zombiefilme - angeführt werden. Eines ist sicher: Je mehr Vernetzung und internationale und globale Unüberschaubarkeit entsteht, desto größer wird eine (auch unbewusste) Angst vor Kontrollverlust, Deregulierbarkeit und nicht zuletzt Bedrohung durch eine Masse von nicht mehr erfassbaren Daten, Dateien, digitalen und - implizit - biologischen Viren empfunden werden, die sich immer wieder Ausdruck verleihen wird durch die beliebte mediale Beschäftigung mit diesem Thema.

Ähnliches werden sich auch gedacht haben einige der "Macher" (i.e.: Produzenten) von bekannten Fernsehserien bzw. Kinoflmen wie: Battlestar Galactica, Star Trek, Contact, Lost, CIS: Miami, oder Akte X. Sie haben gemeinsam die neue Fernsehserie HELIX ausbaldowert, ein für den Science-fiction Pay-TV-Sender SyFy und dessen in die Zukunft entrücktes und zahlendes Publikum wohl wie geschaffenes Produkt, das von einer Polarstation handelt, auf der ein fieses Virus erforscht werden soll, welches die ganze Menschheit bedroht. Aber damit nicht genug: Es lauert noch eine viel fiesere Erkenntnis am Nordpol. Wird aber von SyFy nicht verraten. Auch zu sehen vorab ist für den Autor dieser Zeilen noch nichts, außer alles oder nichts sagenden Trailern, wie dem hier nebenan. Was sagte schon der gute alte Wittgenstein? Worüber man nicht reden kann, darüber muss man plappern.
Hoffe, ich habe dem, und dem Sponsoring, hiermit Genüge getan. - HELIX - Ab 10. April immer donnerstags um 21:00 Uhr auf SyFy. (Dieser Text wurde gesponsert).

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