Gesponsert: Trailer zu "Maze Runner"

„Was ist das hier?“; „Wer hat uns hierher gebracht?“; „Ich kann mich an gar nichts erinnern!“; „Was ist da draußen?“; „Das Labyrinth“. Fragen und Antworten, die mir bekannt vorkommen. Wurde mein Leben (the first 50 years) endlich verfilmt, oder sollte es noch mehr Leute geben, die sich so fühlen wie ich? „Maze Runner – Die Auserwählten im Labyrinth“ jedenfalls bemüht sich erfolgreich um eine große, wie die Filmkritik es gerne ausdrückt, „Authentizität“! Jeden Morgen die selben Fragen: “Wie kam ich in dieses Bett?“; „Wer hat mich eigentlich wirklich gezeugt?“ „Ohweh, eins von den 14 Bierchen gestern war wohl schlecht.“ Und: „Wie weit ist es zum nächsten Getränkestützpunkt und komme ich da auch an, ohne zu kotzen?“ – Scherz beiseite: „Maze Runner – Die Auserwählten im Labyrinth“ verspricht Unterhaltung auf hohem Niveau, und dieses mit jugendlichem Schwerpunkt, denn jemand, bei wem die Namen Dylan O’Brien oder Kaya Scodelario nun nicht gleich erotisch motivierte hysterische Zustände hervorrufen, muss sich wahrscheinlich damit abfinden, nicht mehr so ganz taufrisch zu sein. Ob ihm die actiongewaltigen Schauwerte dieser doch für das 3D-Verfahren geradezu prädestinierten Teenager zermalmenden Labyrinthwände allerdings trotzdem zusagen, sei dahin gestellt. Dieses, das 3D-Verfahren übrigens wäre dann das einzige, was Abstriche machte beim hehren Authentizitätsprojekt des Cineplexx-Blockbusters „Maze Runner  – Die Auserwählten im Labyrinth“, denn wie wir ja alle wissen, ist unser aller Realität alles andere als in 3D, sie ist in Wahrheit flach, platt und vordergründig.  (Dieser Text wurde gesponsert von 20th Century Fox !)


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Faust

(Russland 2011; Regie: Alexander Sokurow )

Flanierender Hungersmann

foto: © mfa+
Als "Flaneur des Lebens" und als "Hungersmann" charakterisiert Alexander Sokurov den Titelhelden seines frei nach Goethe verfilmten "Faust". Eingangs seines anspielungsreichen, Allgemeingültigkeit beanspruchenden Films, der nach "Moloch", "Taurus" und "Die Sonne" den Abschluss der sogenannten "Tetralogie über die Macht und das Böse" bildet, seziert der Professor (Johannes Zeiler) unter Mithilfe seines Famulus Wagner (Georg Friedrich) und mit ausladenden Gesten eine Leiche, um in den blutigen Eingeweiden nach dem Sitz der Seele zu suchen. Hemdsärmelig, rustikal und schnoddrig geht es dabei zu; und auch ein bisschen geschwätzig, denn Faust hüllt seine Sinn- und Erkenntnissuche in ein permanentes philosophisches Gemurmel. Diese Redundanz hat allerdings Methode: Sie beschreibt einen Forscherdrang, der immer weiter macht, ohne etwas zu begreifen oder gar irgendwo anzukommen. Faust wird einfach nie satt. Also konstatiert er: "Alles wie immer."

"Am Anfang war das Wort", wiederholt Faust immer wieder den ersten Vers des Johannes-Evangeliums, ohne seinen Sinn zu verstehen; bis ein gewisser Mauricius alias Mephisto (Anton Adassinsky), ein undurchsichtiger Wucherer von unförmiger Gestalt, etwas linkisch auf der Szene erscheint und seine Theorie des Ursprungs formuliert: "Am Anfang war die Tat." Also schleppt der dunkle Nihilist und selbsterklärte Übermensch den verwirrten Gelehrten durch die engen Gassen einer verwinkelten, sepia getönten Stadt, in der es burlesk und wüst zugeht. Sie landen unter lauter Frauen im Badehaus, wo Faust mit geilen Blicken die junge schöne Margarete (Isolda Dychauk) und Mauricius seinen entstellten Körper enthüllt; im Auerbachschen Keller geraten sie in ein wildes Trinkgelage und in einen bizarren Streit, an dessen Ende Faust schuldig wird am Tod von Margaretes Bruder. Und so wird eine Beerdigung zum blasphemischen Ausgangspunkt einer (sexuellen) Verführung, die männliches Machtstreben widerspiegelt.

Ziemlich innerweltlich ernüchtert sich für selige Augenblicke Fausts Suche nach Transzendenz auf dem Boden körperlicher Tatsachen. Dass er dafür seine Seele verkauft und den teuflischen Kontrakt mit seinem Blut zeichnet, ist nur ein weiteres ironisches Detail dieser schweifenden Suchbewegung, die an kein Ziel findet. Sokurov filmt die Atemzüge dieses merkwürdigen Schwankens mit der Steadicam, lässt die fast farblosen Bilder ins Halluzinatorische verschwimmen und erzeugt eine eigenwillig fremde Atmosphäre voll grotesker Verzerrungen und Symbole. Die Wissenschaft sei nur ein Mittel, die Leere auszufüllen und alles Vergängliche nur Gestank, sagt einmal der große Verneiner Mauricius. Am Ende entledigt sich ein entfesselter Heinrich Faust seines allzu menschlichen Förderers (beziehungsweise das Geschöpf seines Schöpfers), um sich einer zweifelhaften Freiheit gegenüber zu sehen, die als weites, kaltes Geröllfeld vor ihm liegt und sinnlose Wanderschaft verheißt.

Wolfgang Nierlin

Benotung des Films: (6/10)


Faust
OT: Faust
Russland 2011 - 134 min.
Regie: Alexander Sokurow - Drehbuch: Aleksandr Sokurov - Produktion: Andrey Sigle - Kamera: Bruno Delbonnel - Schnitt: Jörg Hauschild - Musik: Alexander Zlamal - Verleih: MFA+ - FSK: ab 16 Jahre - Besetzung: Johannes Zeiler, Anton Adassinsky, Isolda Dychauk, Georg Friedrich, Hanna Schygulla, Antje Lewald, Florian Brückner
Kinostart (D): 19.01.2012

IMDB-Link: http://www.imdb.com/title/tt1437357/
Pressespiegel auf filmz.de: http://www.filmz.de/film_2012/faust/links.htm
Pressespiegel auf film-zeit.de: http://www.film-zeit.de/Film/22288/FAUST/Kritik/

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Gesponsert: Heißer Trailer zu "Schoßgebete"
 
Tja, schon der Trailer von  „Schoßgebete“ berührt, nämlich peinlich. Dann zum Beispiel, wenn das Testament von Lavinia Wilson als Roman-Alter-Ego von Charlotte Roche verlesen wird und der Notar dem Alter-Ego des Ehemannes von Charlotte Roche, Jürgen „Stiftzahn“ Vogel vorliest, dass sie sich erstens von ihrer Asche wünscht, in die schwarze Mülltonne entsorgt zu werden, zweitens sich wünscht, dass er, also Vogel, doch nach ihrem Dahinscheiden möglichst schnell wieder (unfreiwillige Scherze sind eh die besten) vögeln solle, auch Großbusige seien erlaubt. Und drittens müsse sie (Lavinia, Elizabeth, Charlotte) bei Anal-Sex immer an Alice Schwarzer denken, weil diese den als männliche Dominanzausübung verstehe. Ich - liebe Leser - möchte hingegen nicht an Frauen denken müssen, die bei ihrem Analsex an Alice Schwarzer denken, im Gegenteil möchte ich nichts von Leuten wissen, die ihre privaten Trivialitäten nur so vor sich her tragen, wie einen schlechten Atem. Dabei war doch Charlotte Roche mal eine ganz gute und schlaue Musikmoderatin und auch als Talkmasterin hatte und hat sie immer pfiffige Ideen und Schlagfertiges zu bieten. Wer nur hat ihr geflüstert, es mit Literatur zu versuchen? – Jemand, der weiß, wie man in Deutschland Geld macht, offenbar. Ihr erster Roman „Feuchtgebiete“ ging weg wie warme Semmel, ohne gut geschrieben oder interessant zu sein, und ihr zweiter, „Schoßgebete“ hatte in wenigen Tagen die Verkaufszahlen aller möglichen Klassiker in den Schatten gestellt. Die Bücher von Roche, die jeweils eigentlich immer ziemlich überschaubar von einer Frau handeln, die der Roche doch auffallend ähnelt und die ihr Heil stets in sexueller Erfüllung incl. Gebrauchsanweisungen sucht, jedoch damit eigentlich immer irgendein persönliches Trauma (doofe Eltern: „Feuchtgebiete“, Autounfall: „Schoßgebete“) zu heilen trachtet, sind deshalb interessant, weil sie für so viele Deutsche interessant sind. Sie und ihre Verfilmungen, besonders eine wie diese von Sönke Wortmann, geben Aufschluss über die Lage einer Nation, die darniederliegt, und zwar zwischen sexuellen Details und bösen Traumata, die dann ja doch an allem Schuld sind (was in Wahrheit der neoliberale Kapitalismus so verzapft). Tja.
Dieser Artikel wurde gesponsert von Constantin Film!