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The Artist

(Frankreich / Belgien 2011; Regie: Michel Hazanavicius)

Bildgeklingel

foto: © delphi
"The Artist" ist, das muss man sagen, ein Wohlfühlfilm. Ein Film, gegen den man nichts haben kann, weil er niemandem wehtun, sondern allen wohltun will. Das Leben jenseits des Kinosessels ist hart genug. "The Artist" ist ein großer, unterhaltsamer Spaß, ein fantasievoller, einfallsreicher, ein augenzwinkernder Film über die Zeit, in der der Stummfilm endete und der Tonfilm begann. Der Film ist eine gelungene Demonstration dessen, wie gut man heute Filme drehen kann, die so aussehen wie von "damals" - ein für die Kundschaft von heute übrigens quasi nicht vorhandenes Damals, weil die aktuelle Kundschaft jemals weder einen Stummfilm noch einen frühen Tonfilm gesehen hat.

"The Artist" ist für die meisten seiner Kunden sozusagen eine Zusammenfassung dessen, was man so glaubt, was so ein Stummfilm eben so war. Ich schreibe "Kunden", weil der Film sich in erster Linie zu verkaufen anschickt und das auch ganz gut versteht. Der Film wendet sich nicht an eine Blockbusterkundschaft, eher an jene, die von einem Kinoerlebnis auch ein wenig "Tiefgang" und "Poesie", in diesem Fall die Poesie der Stummfilmära, oder eben das, was man so dafür hält (gleichwohl es nicht schlecht kopiert ist), erwartet, und eben auch bekommt, jedenfalls das, was sie so glaubt, was das sein muss. Eine ziemlich strunzige Rahmengeschichte und eine Lovestory, wie sie eigentlich heutiger nicht sein könnte, weil es fast nur um Karriere(n) geht und eine ganze Menge ziemlich verspielter Gags, die keinen weiterbringen, aber das müssen sie ja auch nicht. Der Film spielt geradezu mit der Erwartungshaltung, dass Stummfilme eher unaufregend daher kommen, um aber immer wieder zu zeigen, wie sehr das nicht stimmt, weil "The Artist" natürlich kein Stummfilm ist, sondern ein Tonfilm, der z.B. extra so tut, als wäre er ein Stummfilm, um uns mit seinem Ton zu erschrecken, und um dann mit diesem Schrecken ganz schrecklich anzugeben.

Angeben, das ist wohl das zentrale Wort: "The Artist" ruft die ganze Zeit: "Guckt mal, wie echt unser Hauptdarsteller den Errol Flynn nachmachen kann, guckt mal, wie original unsere Hauptdarstellerin Kusshändchen werfen kann, guckt mal, wie gut wir diese angeockerte Schwarzweiß-Filmpatina hinbekommen haben. Diese permanente Hui-Angeberei, dieses dauernde Zurschaustellen seiner nostalgischen Kopierkunst und seiner ach so hinreißenden kleinen Ideen ist das, was "The Artist" exakt mit Filmen wie "Die fabelhafte Welt der Amelíe" gemein hat. Der Film ist ein Konglomerat aus publikumsimmanenten Klischees, Kinomythen, Nostalgiebegrifflichkeiten, aufgepowert mit aktuellen technischen Effekten, Gags, Spielereien, welche das dazu aufgelegte Publikum (und es ist sehr dazu bereit, dazu aufgelegt zu sein!) meinen lässt, verzaubert worden zu sein, in eine andere Welt entrückt worden zu sein - und das noch auf kunstvollem, stilvollem, fantasievollem Niveau. Kulturelle Glückseligkeit! Abspannapplaus! Dabei waren wir Zeugen billiger Jahrmarktstricks und die Kernhandlung von "The Artist" ist dünn, gedehnt und auch widersprüchlich; die Figuren, und das ist vielleicht das Beste, was man über den Film sagen kann, gehen in ihrer Flachheit kaum über ihre melodramatischeren Stummfilmvorbilder hinaus, immerhin ist diese Kopie-Mission erfüllt.

"The Artist", das muss ich sagen, ist ein Angeberfilm, und ich fühl′ mich wohl, wenn ich das wenigstens schreiben kann, und ich rate der Kundschaft: Wenn Sie wirklich eine schöne stumme Liebesgeschichte sehen wollen: Gucken Sie sich bitte mal lieber Murnaus "Sunrise" an.

[Link zu einer weiteren Filmkritik]

Andreas Thomas

Benotung des Films: (5/10)


The Artist
OT: The Artist
Frankreich / Belgien 2011 - 100 min.
Regie: Michel Hazanavicius - Drehbuch: Michel Hazanavicius - Produktion: Thomas Langmann, Emmanuel Montamat - Kamera: Guillaume Schiffman - Schnitt: Anne-Sophie Bion, Michel Hazanavicius - Musik: Ludovic Bource - Verleih: Delphi - FSK: ohne Altersbeschränkung - Besetzung: Jean Dujardin, Bérénice Bejo, John Goodman, James Cromwell, Penelope Ann Miller, Missi Pyle, Malcolm McDowell
Kinostart (D): 26.01.2012

IMDB-Link: http://www.imdb.com/title/tt1655442/
Pressespiegel auf filmz.de: http://www.filmz.de/film_2012/the_artist/links.htm
Pressespiegel auf film-zeit.de: http://www.film-zeit.de/Film/22106/THE-ARTIST/Kritik/

Trailer:


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Die Menschen, die Bakterien und die guten alten Viren, eine faszinierende Melange, die in der Menschheitsgeschichte immer wieder für Wirbel und Elend und in der Fernseh- und Filmgeschichte für spannende und gute Unterhaltung gesorgt hat. Epidemien und Pandemien führten zu grausamen Szenarien in der Menschheitsgeschichte und in der Medienhistorie zu erregend apokalyptischen Fantasien, die auch mit der Lust an einer Angst vor der totalen Auslöschung der Menschheit einhergingen. Die aufrüttelnde Vision einer menschheitsvernichtenden General-Infektion zum Tode einerseits, andererseits die Infektion als soziopsycholische Parabel vom normativen gesellschaftlichen und ökonomischen Anpassungsdruck. Hier können als Beispiel etwa die normierten und gefühllosen menschenfressenden Zombies - und ihr ganz autonomes Virus-Genre der Zombiefilme - angeführt werden. Eines ist sicher: Je mehr Vernetzung und internationale und globale Unüberschaubarkeit entsteht, desto größer wird eine (auch unbewusste) Angst vor Kontrollverlust, Deregulierbarkeit und nicht zuletzt Bedrohung durch eine Masse von nicht mehr erfassbaren Daten, Dateien, digitalen und - implizit - biologischen Viren empfunden werden, die sich immer wieder Ausdruck verleihen wird durch die beliebte mediale Beschäftigung mit diesem Thema.

Ähnliches werden sich auch gedacht haben einige der "Macher" (i.e.: Produzenten) von bekannten Fernsehserien bzw. Kinoflmen wie: Battlestar Galactica, Star Trek, Contact, Lost, CIS: Miami, oder Akte X. Sie haben gemeinsam die neue Fernsehserie HELIX ausbaldowert, ein für den Science-fiction Pay-TV-Sender SyFy und dessen in die Zukunft entrücktes und zahlendes Publikum wohl wie geschaffenes Produkt, das von einer Polarstation handelt, auf der ein fieses Virus erforscht werden soll, welches die ganze Menschheit bedroht. Aber damit nicht genug: Es lauert noch eine viel fiesere Erkenntnis am Nordpol. Wird aber von SyFy nicht verraten. Auch zu sehen vorab ist für den Autor dieser Zeilen noch nichts, außer alles oder nichts sagenden Trailern, wie dem hier nebenan. Was sagte schon der gute alte Wittgenstein? Worüber man nicht reden kann, darüber muss man plappern.
Hoffe, ich habe dem, und dem Sponsoring, hiermit Genüge getan. - HELIX - Ab 10. April immer donnerstags um 21:00 Uhr auf SyFy. (Dieser Text wurde gesponsert).

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