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Now Is Good - Jeder Moment zählt

(Großbritannien 2012; Regie: Ol Parker)

Metastasen-Kino

foto: © universum
Wenn der Film beginnt, sind die Diagnosen längst gestellt, alle Therapieversuche gescheitert, kein Kampf wird mehr gekämpft. Tessa ist 17 und unheilbar an Leukämie erkrankt. Was bleibt, ist der Wunsch, dem Leben doch noch etwas abzuringen, so lange dafür Zeit ist. Auf der Liste steht: Sex haben. Drogen nehmen. Das Gesetz brechen. Berühmt werden.

Die Zeit, die bleibt, das sind 100 Minuten Spielfilm. "Wie wollen Sie′s angehen? Das Todkranke-Mädchen-Ding oder haben Sie was Originelleres geplant", fragt der todgeweihte Teenager einen Radiomoderator, als der Tessas Krankheit in seiner Show zur rührseligen Anekdote verwursten will. Die Frage nach der Originalität muss sich auch Regisseur und Drehbuchautor Ol Parker gefallen lassen, wenn er seine junge Protagonistin so selbstbewusst und -reflexiv die klischeehafte Medialisierung von Krebsleiden anprangern lässt. Und zumindest zu Beginn überrascht Parker, indem er sein Drama mit deutlichen Anleihen an Jason Reitmans und Diablo Codys "Juno" inszeniert. Popmusik, ein Zeichentrickintro und vor allem Dakota Fanning als Tessa, die abgeklärt und mit trockenem Witz ihrer Umwelt begegnet, unterlaufen erst einmal die Sentimentalität, die der Stoff vom todkranken Mädchen mit sich bringt.

Als Twiggy-Verschnitt mit Kurzhaarfrisur, dünnem Körper und antrainiertem britischen Akzent posiert Fanning als Sterbende, und man kann es nicht anders sagen: Der Tod steht ihr gut, wenn ihr nicht gerade literweise Blut aus der Nase sprudelt. Zu mehr als einem Motor für die mechanische Dramaturgie taugt die tödliche Krankheit dann nämlich auch nicht.

Pflichtbewusst werden die Stationen bis zum Ableben im dramaturgisch richtigen Moment abgeklappert und dabei allerlei konventionelle Kinomomente generiert: ein Feuerwerk, bei Nacht im Meer baden, Schlittschuhlaufen, mit dem süßen Boy auf einer Bank im Schnee sitzen oder mit dem Motorrad fahren, während im Hintergrund Pferde galoppieren. So zahm und unaufregend lässt sich ein Teenagerleben in Szene setzen. Statt auf den Spuren von Diablo Cody zu wandeln, begibt sich Parker immer mehr ins Terrain stetig wuchernder Schmalz-Franchises à la Twilight und Nicholas Sparks und bedient sich einer kitschigen Ästhetik, die man auch aus Werbung und schlechter Modefotografie kennt.

Bei all den schwülstigen Bildern und Liebesschwüren, die im Verlauf der Handlung immer präsenter werden, bleiben Tessas Erfahrungen mit Sex, Drogen und auch ihr Sterben eher bloße Behauptung. Das Ableben der Protagonistin ist dann letzten Endes auch ein für alle Beteiligten versöhnliches, um die Sterbende herum  wurden Mütter, Paare und Familien produziert, deren Glück im Angesicht des Todes noch mal so hell erstrahlt. So endet der Film mit ein paar warmen Worten der dahinsiechenden Tessa, dazu das überbelichtete Bild von einem Baby in der Frühlingssonne, zum Abspann noch ein Song von Ellie Goulding. Jetzt ist aber wirklich mal gut.

Carsten Moll

Benotung des Films: (4/10)


Now Is Good - Jeder Moment zählt
Großbritannien 2012 - 99 min.
Regie: Ol Parker - Drehbuch: Ol Parker - Produktion: Graham Broadbent, Peter Czernin - Kamera: Erik Wilson - Schnitt: Peter Lambert - Musik: Dustin O'Halloran - Verleih: Universum - Besetzung: Dakota Fanning, Jeremy Irvine, Kaya Scodelario, Olivia Williams, Paddy Considine, Patrick Baladi, Franz Drameh, Rakie Ayola, Isabella Laughland, Joe Cole, Julia Ford, Tom Kane
DVD-Start (D): 19.04.2013

IMDB-Link: http://www.imdb.com/title/tt1937264/

Details zur DVD:
Bild: 2,35:1 (anamorph / 16:9) - Sprache: Deutsch, Englisch (DD 5.1) - Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte - Extras: Interviews, Deleted Scenes, B-Roll - FSK: ab 12 Jahre - Verleih: Universum

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Kommentare


Einträge: 1

argos schrieb am 10.7.2013 um 2:03 Uhr :

Ich muss sagen, der Film ist einfach nur großartig und eigentlich nicht die typische Krebsgeschichte, auch die Hauptdarstellerin hat einen tollen Charakter und eine coole Einstellung geschrieben bekommen. Das Ende ist sehr rührend und ich musste -wie ich zugeben muss- auch einige Tränen vergießen, der Film ist empfehlenswert für junge Teenagermädchen bis zu ihren Müttern. Im Grunde wohl eher ein Frauenfilm.





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